Zehn Tage, 3000km, 15 Orte: Mein Roadtrip durch die Toskana

Mit dem Abschluss der restlichen Unikurse und der Masterarbeit verbleibend, dachte ich mir, dass es endlich mal wieder Zeit für einen Urlaub wird.
Die italienische Landschaft reizte mich schon seit langem, vor allem die Toskana. Da ich wenig Lust darauf hatte mir lediglich ein Ziel zu suchen und dort eine Woche zu verbringen, dachte ich mir, dass ein Roadtrip genau die Möglichkeit bietet, viel von der Landschaft mitzunehmen – vor allem auch Orte zu sehen, die man mit dem Flugzeug alleine nicht erreicht. Zusammen mit einem Kumpel aus Schulzeiten machten wir uns auf die Reise. Mein Erlebnisbericht in zehn Tagen.

Vorbereitung:

Vor dem Beginn der Reise mussten einigen Fragen geklärt werden. Zum Beispiel wann wollen wir fahren und wie kommen wir dort hin. Wir entschlossen uns dazu kurz nach der Hauptsaison (Anfang September) für insgesamt zehn Tage durch die Toskana zu fahren. Zuerst wollten wir uns einen Mietwagen leihen, allerdings einigten wir uns schnell darauf, mit dem Golf meines Kumpels zu fahren, da die Gesamtkosten weit über unserem Budget lagen.

Anschließend musste eine Route her. Da ich relativ wenig Vorstellung davon hatte, wohin die Reise gehen soll, habe ich diverse Reise- und Fotoblogs druchforstet, um eine Auswahl an möglichen Zielen zu finden. Außerdem wollte ich weitere Informationen in einem Reisebüro (ja, die gibt es noch) einholen, nur leider konnte mir die Dame relativ wenig dazu sagen. Darauf mein Gedanke: warum gibt es die noch?

Nachdem die Strecke feststand, begann ich die ganzen Hotels mithilfe von diversen Suchmaschinen zu vergleichen und zu reservieren. Selbstverständlich schränkt das die Flexibilität der Reise etwas ein, senkt aber die Kosten und man kann sich sicher sein, dass man eine Unterkunft für die Nacht hat. Abschließend mussten noch Kleinigkeiten wie Autoversicherung und Krankenversicherung geklärt werden, damit uns im Fall der Fälle kein Schock droht. Gut vorbereitet wartete ich bis sich der September näherte.

Einen Tag vor meiner Abreise habe ich meinen Fotorücksack mit allem gefüllt, was ich für die Reise brauchte. Zu meiner Ausstattung gehörten eine Canon EOS 77D mit zwei einfachen Zoom-Objektiven EF-S 18-55mm f4-5.6 IS und EF-S 55-250mm f4-5.6 IS, die GoPro Hero Session 5, Fernauslöser, Stativ, Reinigungsset, einen Polfilter und einem ND64 Filter.

Um noch etwas Vorbereitungszeit zu haben fuhr ich bereits am Samstag zu meinen Großeltern nach Dessau, da von dort aus die Reise starten sollte. Das Wochenende nutzten wir zum Einkauf von etwas Reiseproviant und dem Planen der ersten Route. Nachdem wir uns auf 6.00 Uhr als Start der Reise geeinigt hatten, konnte es losgehen.

Tag 1: Anfahrt, Trient

Pünktlich um 6.00 Uhr war ich bereit zur Abreise, den Koffer gepackt, den Rucksack gefüllt und ich wartete auf meinen Kumpel, der mich abholen sollte. Da er zu den Leuten gehört, die kleine Verspätungen für schick halten, klingelte er etwas später als geplant an meiner Tür – 6.50 Uhr um genau zu sein.

Als die Taschen im Auto verladen waren, ging es daran die GoPro anzubauen, da ich die Idee hatte die gesamte Reise als Timelapse aufzunehmen. Nachdem eine passende Position für die Kamera gefunden wurde, sie während der Fahrt zweimal runterfiel und wir sie erneut befestigt hatten, ging es auf die Autobahn. Bis auf einzelne Baustellen verlief die Fahrt recht entspannt.

Nach etwa sechs Stunden Fahrt (und einer Pause) durch das deutsche Flachland taten sich am Horizont langsam die Alpen auf. Wir legten die zweite Pause ein und mein Rücken fühlte sich langsam so an, als würde er gleich in 100 Teile zerspringen. Wohl oder übel ging es weiter und wir passierten die Grenze nach Österreich, worauf sich die luxuriöse 4-Spur Autobahn der A9 in eine zweispurige Schnellstraße mit einem Tempolimit von 110 wandelte. Da wird einem erstmal bewusst, wie gut wir es doch eigentlich haben.

Eine gute Stunde später wurde es Zeit für den ersten (und einzigen) Tankstopp auf dieser Strecke. Österreich selbst ist mir bekannt als ein Land, in dem es durchschnittlich teurer ist als bei uns. Allerdings scheint das nicht für die Benzinpreise zu gelten: 1,18€. Wie bei einem kostenlosen Buffet hätte ich am liebsten ein paar Tupperware-Boxen mitgenommen, dann hätten wir die für den Preis auch noch voll machen können.

Nach dem Auftanken ging es wieder zurück auf die Autobahn Richtung Italien. Etwas später erreichten wir die Brennerautobahn, verließen Österreich und überfuhren die Grenze nach Italien. Ich sah nach und nach die ersten Straßenschilder auf Italienisch und war froh, dass trotzdem Deutsch darunter stand, da meine Italienischkenntnisse gegen 0 streben. Das Ganze hatte etwas von Vokabeln lernen wie in einem Italienischkurs. Kurze Zeit später erreichten wir eine Mautstation, da die Autobahnen in Italien im Besitz von privaten Betreibern sind. So wird man pro gefahrenen Kilometer zur Kasse gebeten. Man zieht ein Ticket und gibt es beim Abfahren der Autobahn wieder ab.

Nach insgesamt 10 Stunden erreichten wir das erste Hotel, was relativ nah an der Autobahn lag. Glücklicherweise wurde dort auch Englisch gesprochen und ich konnte meine mit Google Translate vorbereiteten Phrasen in der Tasche lassen. Zwei Einzelbetten, große Dusche, und (wichtig) eine Minibar für das Bier, das wir mitgebracht hatten. Im Zimmer angekommen habe ich die Schuhe in die Ecke geworfen, mich aufs Bett geschmissen und nach dem WLAN gesucht. Zu meinem Erschrecken musste ich später noch feststellen, dass der Akku meines Telefons an diesem Tag und im Rest der Reise seinen Dienst aufgegeben hat.

Abschließend wollten wir noch die Umgebung erkunden bevor die Sonne untergeht. Umgeben vom Gebirge gab es dort allerdings nichts als Industrie, Lagerhäuser und LKWs die im Minutentakt ein- und ausfuhren.

 

Tag 2: Gardasee, Genua

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zum nächsten Hotel, welches im Stadtzentrum von Genua (Genoa, Genova, insert 5 more names here…) lag. Als Zwischenziel wählten wir den Gardasee, spezieller Riva del Garda. Da wir nicht weiter die Maut für die Autobahnen bezahlen und auch etwas von der Landschaft Italiens mitbekommen wollten, fuhren wir auf den Bundesstraßen (genannt „Strada statale“, abk. „SS“) zu unserem Ziel. Selbstverständlich ist die Fahrt somit etwa eine Stunde länger, allerdings gilt in den nächsten Tagen: der Weg das Ziel.

Die Strecke führte durch ein großes Weinbaugebiet und anschließend in die Berge. Nach einer knappen Stunde fahrt an hohen Felswänden vorbei, lichtete sich das Gebirge und es eröffnete sich ein Blick auf den Gardasee. Die Atmosphäre in Riva del Garda erinnerte mich etwas an Miami: Palmen, Strand, lange Straßen, diverse Shops an jeder Ecke und Touristen … viele Touristen. So viele Touristen, sodass es auf den Straßen nur im Schritttempo vorwärts ging. Dazu kommt noch, dass alle 20 Meter ein Fußgängerüberweg ausgeschildert war – sowas habe ich vorher noch nie erlebt. Lustigerweise habe ich erst später erfahren, dass man in Italien nicht dazu verpflichtet ist an einem Zebrastreifen zu halten, anders als bei uns.

Wir entschlossen uns so schnell wie möglich den Ort zu verlassen und am Gardasee entlang zu fahren bis wir eine Möglichkeit zu halten finden. Leichter gesagt als getan; die gesamte Strecke führte durch einen Tunnel der auch gerne von Leuten verwendet werden um ihre Motoren aufjaulen zu lassen. Es gab ein paar wenige Haltebuchten, allerdings nur auf der Gegenspur und da die Straße selbst relativ eng ist (links: Mauer, rechts: Felswand) will man es auch nicht wagen zu bremsen und den Verkehr aufzuhalten – besonders da die Kurven auch sehr unübersichtlich sind. Somit fuhren wir immer weiter bis sich der erste Ort auftat: Limone sul Garda. Auf der Suche nach einer Möglichkeit anzuhalten fanden wir ein Parkhaus, wo bereits eine Schlange von knapp 15 Autos auf uns wartete. Allerdings gab es dort keinerlei Parkplätze mehr. Nach etwa 15 Minuten Wartezeit verließen wir auch diesen Ort und fuhren weiter, in der Hoffnung irgendwann mal eine Parkbucht zu finden bevor wir das Ende des Sees erreichen ohne ein Bild gemacht zu haben.

Nach einer Stunde Fahrt um den See knickten wir von der Hauptstraße ab und folgten einer Bergstraße wo sich endlich eine Parkbucht auftat. Wir nutzten die Gelegenheit und kletterten einen kleinen Hang hinunter – der uns irgendwie auf ein Privatgelände führte. Unbeeindruckt davon konnte ich endlich meine Kamera auspacken und ein Paar Fotos vom Gardasee aufnehmen. Trotz Polfilter war es relativ dunstig, was ich in Lightroom etwas korrigieren konnte. Zurück am Auto ging die Reise weiter am Gardasee entlang.
Nach und nach erreichten wir das andere Ende des Sees und einen Ort namens Salò. Wir entschlossen uns dort ebenfalls zu halten und fanden in einer Seitenstraße auch endlich einen Parkplatz! Salò war weniger von Touristen überrannt als Riva, wobei wir hier auch ein paar Deutsche mit Boot antrafen. Daher war es entspannend etwas durch die Stadt und den Hafen zu laufen.

 

Nachdem wir unser erstes italienisches Mittagessen (Pizza, of course) zu uns genommen hatten, machten wir uns direkt auf den Weg nach Genua. Da die Fahrt vom Gardasee nach Genua über Bundesstraßen etwa 4 1/2 Stunden dauert, nahmen wir nochmal die Autobahn und erreichten nach zwei Stunden Fahrt gegen um 19 Uhr abends Genua. Die letzte Challenge des Tages war das Erreichen des Hotels. Da ich wusste, dass das Hotel keinen Parkplatz, sondern nur ein privates Parkhaus für 18€ / Tag anbot, und in der unmittelbaren Nähe auch keine Parkplätze zu finden sind, mussten wir dieses Problem zuerst lösen. Die Innenstadt war hoffnungslos mit Autos überfüllt und von links und rechts drängelten sich Mofas in die verbliebenen Lücken und es roch stark nach Abgasen. Ich als Beifahrer bekam schon eine Krise und klammerte mich an den Sitz vom Auto, mein Kumpel dagegen schien noch relativ entspannt zu sein. Die erste Parklücke in einer Kurve war offenbar nur mit Ticketautomat, die eine Maximaldauer von zwei Stunden zuließ – außer man ist Anwohner. Zumindest war es das was ich mithilfe von Google Translate interpretieren konnte. Also wieder zurück an die Horrorkreuzung und näher Richtung Hotel. Etwas später fanden wir eine Lücke, die kostenfrei zur Verfügung stand (zumindest dachten wir das). Nachdem wir unter dem Efeu das Schild gefunden haben, wussten wir, dass dies auch kein Parkplatz ist. Unseren Hintermann hat das anscheinend wenig interessiert. Um den Stress zu beenden schlug ich vor, dass wir in den sauren Apfel beißen und ins Parkhaus fahren. Allerdings fanden wir einen bewachten Privatparkplatz etwa 100m vom Hotel entfernt für den wir uns dann entschieden – ebenfalls für 18€ / Tag.

Erleichterung machte sich breit und anscheinend konnten wir unser Zimmer beziehen. Die Erleichterung ließ schnell nach, bis ich das geschätzt 9qm große Zimmer sah. Mit dem Bett, zwei Koffern und uns beiden wurde es schon eng in dem Zimmer. Zu meinem Entsetzen musste ich auch feststellen, dass es keine Minibar für das Bier gab. Als der Abend herein brach machten wir uns nochmal auf den Weg durch die Innenstadt. Paradoxerweise war die Stadt gegen 21 Uhr fast totenstill – abgesehen von ein paar Gruppen von Teenagern die unterwegs waren. Zurück im Hotel wurde das warme Feierabendbier geöffnet und danach verschwand ich für die Nacht im viel zu kleinen Bett.

 

Tag 3: Cinque Terre (Manarola)

Nach einer relativ kurzen Nacht frühstückten wir am Auto und planten die Route. Nachdem wir nochmal den Mut zusammen nahmen, entkamen wir aus der Innenstadt Genuas und waren auf dem Weg zur Bundesstraße Richtung Cinque Terre. Das nächste Ziel der Reise war der Nationalpark Cinque Terre, ein beliebtes Ziel bei Touristen und Fotobegeisterten. Der Plan war es mit dem Auto nach Levanto zu fahren und von dort aus den Zug nach Corniglia zu nehmen, wo wir den Wanderweg nach Manarola bestreiten wollten.
Die Navigation von Google Maps hatte aber andere Pläne mit uns und schickte uns seltsamerweise wieder auf die Autobahn, die selbstverständlich wieder zu bezahlen ist. Wir nahmen die nächste Abfahrt und mussten uns selbst wieder auf die richtige Strecke bringen. Nachdem das Problem beseitigt war führte die Strecke in die Berge wo bereits eine Mischung aus Serpentinen, steilen Steigungen und Abfahrten auf uns wartete. Gemischt mit unübersichtlichen Kurven und LKWs im Gegenverkehr gab es schon den ein oder anderen „Final Destination“ Moment. Dazu kam noch, dass sich die Tanknadel nach 45 Minuten Serpentinentortur in Richtung des E’s bewegte. Irgendwann erreichten wir den Punkt an dem es nur noch bergab und wieder durch Serpentinen ging. Nach gefühlt 120 Kurven bat ich meinen Kumpel kurz anzuhalten bevor ich meine Begeisterung für die Strecke im Auto verteilen würde. Da wir aber noch etwa 20 Minuten bis zum Ziel gebraucht haben, musste ich das Ganze nochmal über mich ergehen lassen. Die Strecke wandelte sich nach und nach von gut gewartet in eine Straße mit bröckelndem Asphalt, fehlenden Leitplanken nahe der Klippe und abgebrannten Bäumen. Es wirkte schon etwas surreal – allerdings kann meine Sicht auch durch die Übelkeit getrübt worden sein.

Kurze Zeit später erreichten wir den Bahnhof von Levanto und fuhren mit der Bahn zu unserem Zielort. Dort angekommen mussten wir uns durch die (noch kleinen) Menschenmengen quetschen um den Bahnsteig zu verlassen. Wir suchten nach dem Beginn des Wanderwegs, der auf der offiziellen Website erwähnt wurde. Allerdings verirrten wir uns auf einen Weg der an der Küste entlang führte wo auch niemand außer uns war. Grund dafür war, dass die Strecke nach etwa einem Kilometer abgesperrt war. Auch nachdem ich nochmal bei der Information gefragt hatte wurde ich nicht schlau daraus wo es denn losgehen würde. Wir entschlossen uns darauf zu verzichten und mit der Bahn direkt nach Manarola durch zu fahren. Keine fünf Minuten später waren wir dort und diesmal war die Menschenmenge gut dreimal größer als in Levanto. Manarola ist sicher die meistbesuchteste Stadt der Cinque Terre da man hier auch das berühmte Foto der bunten Häuser und der Bucht bekommen kann (siehe unten). Leider ist sie dementsprechend auch überlaufen und vollgemüllt. Daher begaben wir uns auf einen schnellen Rundgang durch die Stadt, machten Pause fürs Mittagessen und fuhren wieder zurück zum Auto.

 

Die nächste Unterkunft war eine Herberge, die direkt an einer Verbindungsstraße gelegen war. Bei der Anmeldung merkte ich, dass dies der Punkt war an dem ich mit Englisch (was bisher gut funktioniert hat) noch gerade so kommunizieren konnte. Am Abend haben wir uns nochmal auf die Socken gemacht und geschaut was es in der Nähe gibt, allerdings war dort bis auf private Grundstücke und Einfamilienhäuser nicht viel zu entdecken.

Tag 4: Viareggio, Livorno

Am nächsten Morgen ging unsere Reise in die Nähe von Livorno mit einem Zwischenstopp in Viareggio, was direkt am Meer gelegen war. Auch hier kam wieder das Gefühl von Miami Beach auf, Palmen, Meer und lange Strände. Da ich mit meiner Kamera unterwegs war, erlaubte ich es mir nicht weiter als bis zu den Knöcheln in das Wasser zu gehen. Mein Kumpel testeste die GoPro im Meer aus, allerdings scheint sie wohl nicht so intuitiv zu bedienen zu sein da sie während der Aufnahme ständig aus ging. Wir verbrachten gute zwei Stunden am Strand und ich spürte bereits wie sich ein Sonnenbrand anschlich. Selbstverständlich hatte ich die ganze Zeit meine Sonnenbrille auf weshalb ich mich schon auf eine weiße Taucherbrille in meinem Gesicht freute.

Danach ging es weiter zum Hostel. Die Strecke führte an Pisa vorbei, was wir aber nicht ansteuerten da dort sicher keine Möglichkeit war mit dem Auto zu parken. Wir sahen den schiefen Turm und die Kathedrale vom Auto aus, winkten einmal rüber und verfolgten unsere Route zum Hostel. Dort angekommen bezogen wir ein Drei-Bett-Zimmer in dem man auch hätte Handball spielen können. Anschließend folgte die übliche Suche nach etwas zu essen was sich als schwierig erwies da die meisten Läden erst gegen 19 Uhr geöffnet hatten. Am Abend gingen wir nochmal für eine Stunde über die Straße ans nahegelegene Meer, damit ich auch endlich mehr als die Zehen ins Meer stecken konnte.

 

Tag 5: Cecina, San Vincenzo, Grosseto

Nächster Tag, nächstes Ziel: Grosseto. Unsere Route verlief auf den Landstraßen an Cecina und San Vincenzo vorbei, wo wir auch kurz zwischen stoppten. Da es die letzte Strecke war, die am Meer vorbeiführen würde, wollten wir diesen Tag auch noch mindestens einmal dort hin. Wir steuerten Marina di Cecina an und fanden auf Anhieb einen Parkplatz. Der Strand war vergleichbar mit dem in Viareggio, allerdings waren hier mehr Einheimische als Touristen anzutreffen. Ich ging nochmal ins Meer und versuchte anschließend in der Sonne meine Rot-Weiß-Kontraste auf der Haut auszugleichen.

Es ging wieder auf die Straße und wir passierten San Vincenzo, eine kleine Küstenstadt wo anscheinend die Schönen und Reichen ihre Yachten abstellten. Auf den Straßen und der Innenstadt war so gut wie nichts los – mag daran liegen, dass wir zur Siesta unterwegs waren. Wir schlenderten einmal durch die Altstadt und machten uns wieder auf zum Auto, wo wir nach Grosseto durchfuhren.

Da ich wusste, dass das Hotel auch wieder zentral gelegen war und wir den gleichen Horror wie in Genua nicht nochmal durchmachen wollten, entschlossen wir uns einen kostenfreien Parkplatz etwas außerhalb des Stadtkerns anzusteuern. Dafür mussten wir 15 Minuten Fußweg in Kauf nehmen. Am Hotel angekommen wusste ich, dass es eine gute Entscheidung war das Auto etwas entfernter zu parken, da sich vor dem Hotel eine riesige Baustelle befand. Glücklicherweise hat man von dem Lärm im Haus nichts mitbekommen. Der Mann an der Rezeption des Hotel sprach sehr gutes Englisch und ich konnte Google Translate wieder in die Tasche stecken. Ich muss auch sagen, dass das Hotel eines der Besten der Reise war: 4 Sterne mit großen und aufgeräumten Zimmern und einer Minibar für das Bier!

Am Abend packte uns der Hunger und wir machten uns auf den Weg in den Stadtkern von Grosseto, der von einer großen Stadtmauer umgeben war. Wir machten eine Runde durch die City und endeten (mal wieder) in einem Pizzaladen. Langsam kam der Wunsch nach etwas anderem zu essen auf. Den Abend ließen wir bei einem kalten Bier ausklingen.

 

Tag 6: Val d’Orcia, Siena Pt.1

Tag 6 und als nächstes Stand das Val d’Orcia auf meiner persönlichen To-Do-Liste. Die Landschaft dieser Gegend ist eine der schönsten in der Toskana, sodass es 2004 als UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Dementsprechend ist es auch eines der beliebtesten Motive für Fotografen. Die Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen und wir machten einen Umweg zu unserem eigentlichen Ziel Siena. Nicht mal eine halbe Stunde später wandelte sich die Umgebung in fast schon goldene Hügellandschaften mit einzelnen Häusern und den bekannten Zypressenbäumen. Mehrfach hielten wir auf der Strecke an, vor allem immer dann, wenn sich ein Überblick über die Weite des Tals eröffnete. So schön das Ganze auch anzusehen war, hatte ich meine Probleme die Szenerie mit meiner Kamera festzuhalten. Wir waren zur Mittagszeit unterwegs, was dafür sorgte, dass das so gut wie keine Schatten die Landschaft hervorhebten. Desweiteren war die Luft sehr warm und vor allem so dunstig, dass selbst mein Polfiler nicht viel dagegen machen konnte. Lessons learned: Beim nächsten Besuch besser zur späten Abendstunde anreisen.

Nun galt es wieder auf die befestigten Straßen Italiens zurück zu finden, da sich unbefestigte Feldstraßen mit Schotter, Steigungen und Gegenverkehr, der nicht bremsen wollte, vor uns befanden. Wieder einmal ein Schweißmoment, aber ich denke diesmal sogar für uns beide. Nachdem das endlich geschafft war ging es wieder Richtung Siena zum nächsten Hostel. Ich hatte die Unterkunft gewählt, da sie im Internet sehr gute Bewertungen bekommen hatte, allerdings war die Ausstattung der Zimmer sehr notdürftig. Außerdem gab es Waschbecken im Zimmer wo kein Wasser lief. Gleiches Spiel im Gemeinschaftsbad: vier verschiedene Wasserhähne, aber welche davon funktionieren?

Die Innenstadt von Siena lag etwa 20 Fußminuten von unserem Hostel entfernt. Aber da der Tag schon vorangeschritten war entschlossen wir uns, dass wir die Altstadt am nächsten Tag von unserer Liste streichen wollten. Wie bisher auch sind wir abends noch etwas in der Umgebung unterwegs gewesen – allerdings auch hier nicht viel zu erkunden. Nach dem obligatorischen Abendessen, was wieder einmal Pizza war, entschloss ich mich für die nächsten Monate auf Pizzaabstinenz zu gehen. Der Abend ging zu Ende und wir stellten fest wie dünn die Wände des Hostels eigentlich sind als unser Nachbarpärchen über uns seine junge Liebe feierte – wenn ihr versteht. Allerdings war das Ganze nach etwa zehn Sekunden wieder vorbei, weshalb ich wenig beeindruckt war.

Der Tag ging zu Ende und wir gingen ins Bett. Mitten in der Nacht brachen plötzlich krasse Gewitter über uns herein mit Platzregen und Donner der mich aus dem Bett schmiss. Schlafen war zu dem Zeitpunkt für mich nicht möglich. Anscheinend ging es nicht nur mir so sondern auch unserem Pärchen von oben, dass sich darauf hin nochmal amüsiert hat – allerdings wieder nur für maximal zehn Sekunden. Die Nacht endete für mich gegen 6 Uhr früh und ich verbrachte die restliche Zeit damit die ersten Fotos auszusortieren.

 

Tag 7: Siena Pt.2, Ravenna

Nach dem Frühstück fuhren wir mit dem Bus in Sienas Innenstadt. Eine Stadt mit Charme, sehr engen befahrenen Straßen und vielen Touristen.
Es war Sonntag und Mittagszeit und wenn mich das eins gelehrt hat, dann ist es, dass fast alle Geschäfte geschlossen haben – was auch stimmte.
Wir verbrachten etwa drei Stunden in Siena und sahen uns das an, was vom Reiseführer empfohlen wurde und machten uns zu Fuß wieder zurück zum Hostel, da die Busse sehr seltsam fuhren.

Auf dem Weg zum nächsten Hotel, welches in Ravenna lag, fing es auf halber Strecke an zu regnen. Als wir unser Ziel erreichten sah ich gleich, dass es sehr weit weg von irgendwas interessantem lag. Daher verlief der Rest des Tages relativ ruhig und dort wo es schnelles Internet gab. Am späten Abend mussten wir auch hier lernen, dass die Wände anscheinend aus Pappe gefertigt waren. Nur war es diesmal kein Pärchen sondern ein Mann der anscheinend gern mit sich selbst redet. Als die Nacht heran brach hörte das Reden irgendwann auf – und wandelte sich in Wände-durchdringendes Schnarchen. Gegen Mitternacht hatten selbst die anderen Hotelgäste genug und klingelten ihn aus dem Bett.

 

Tag 8: Ferrara

Neuer Tag, wieder Regen. Die Fahrt ging weiter nach Ferrara, was gerade mal eine Autostunde von Ravanna gelegen war. Da es die gleiche Hotelkette wie am Tag zuvor war ahnte ich schon, dass ich wieder nicht viel Action in der Nähe des Hotels erwarten kann – was sich auch als richtig herausstellte. Auch das Zimmer sah exakt so aus wie am Tag zuvor. Daher war der gesamte Tag eher zum entspannen und Nichtstun geplant. Als der Regen nachließ machten wir uns zu Fuß auf den Weg Richtung Innenstadt. Leider hielt die Regenpause nicht lange an und es schüttete aus Kübeln sobald wir den Stadtkern erreichten. Wir entschlossen uns das Abendessen vor zu ziehen und holten uns einen Döner (so italienisch, ich weiß). Zurück und durchnässt am Hotel erklärten wir den Tag für beendet und zappten durch das italienische Fernsehen.

Tag 9: Verona

Der letzte Halt auf unserem Roadtrip war Verona, dort wo Shakespeares Drama „Romeo & Julia“ spielte. Nach etwa 1 1/2 Stunden Fahrt von Ferrara erreichten wir das letzte Hotel. Es handelte sich um ein 4 Sterne Hotel was ich zu einem reduzieren Preis bekommen hatte. Allerdings war die Ausstattung meiner Meinung nach keine vier Sterne wert. Schon die Karte zum Zimmer konnte dieses nicht aufschließen und die Steuerung für die Klimaanlage war unten beim Hotelier. Die Zimmer waren okay und groß genug, immerhin hatten sie eine Minibar für das Bier.

Nachdem wir das Zimmer bezogen hatten machten wir uns mit dem Auto auf den Weg Richtung Innenstadt, die etwa 30 Minuten zu Fuß entfernt lag. Obwohl ich im Internet gelesen hab, dass viele Leute diesen Ort auslassen, war die Innenstadt an diesem Tag doch gut besucht. Bis auf ein / zwei verrückte Leute auf den Straßen ist es eine nette Stadt und ist definitiv einen Besuch wert. Nachdem wir einmal durch die Stadt und wieder zurück gelaufen sind, ging es mit dem Auto wieder zurück. Für den Abend hatten wir geplant im Restaurant im Hotels zu essen. Allerdings war es total von Rentnern überfüllt und der Chef meinte es wäre kein Platz mehr zu kriegen und empfohl uns eine Pizzeria. Da wir keine Lust auf Salamikuchen hatten, konnten wie ihn noch dazu hinreißen uns einen kleinen Tisch zu geben der etwas wirkte wie der, an dem sich die Mitarbeiter zum Rauchen und Karten spielen treffen.

Es gab ein 3-Gang-Menü mit Pasta! Carbonara, anschließend Mozzarella und Schinken und einem kleinen Dessert.
Das Essen kam sehr zügig, vielleicht etwas zu zügig, und keine fünf Minuten später folgte der zweite Gang. Ich hab mich noch niemals zuvor so gehetzt gefühlt wie in diesem Moment.Nach etwa 15 Minuten waren wir fertig mit allem und mussten 45€ löhnen. Dafür, dass wir nicht einmal die Möglichkeit hatten zu wählen, was wir eigentlich haben wollen, fand ich das schon etwas überzogen. Mit Bauchschmerzen, hauptsächlich wegen des Geldes, ging es auf das Zimmer und der Abend ging zu Ende.

 

Tag 10: Rückfahrt

Am nächsten Morgen wollten wir keine Experimente mehr machen und fuhren gegen 10 Uhr direkt auf die Autobahn Richtung Deutschland. Als wir endlich wieder über deutsche Straßen fuhren erwartete uns der kalte Herbst mit grauem Himmel, Regen und Sturm. Nach zusammengerechnet 12 Stunden Fahrt mit zwei Pausen kamen wir wieder in der Heimat an. Dass der Tag damit ein Ende fand muss ich sicher nicht weiter erklären.

Fazit

Summa summarum: Ich fand, dass diese Roadtrip eine einzigartige Erfahrung war, die ich jedem empfehlen würde. Allerdings gibt es bei der Planung einige Dinge, die ich anders machen würde. Hotels: auch wenn sie billig waren, lagen sie meist in Regionen in denen nichts interessantes zu finden ist. Nächstes Mal würde ich lieber 5-10€ mehr ausgeben um mehr von der Umgebung zu haben. Reiseziele: sicher gibt es neben den ganzen Touristenzielen viele versteckte Schätze, die darauf warten entdeckt zu werden. Allerdings kann es auch passieren, dass man Ziele wählt, die nicht viel bieten (wie bei uns Ravenna und Ferrara). Wenn man auf Nummer sicher gehen will und das meiste aus seinem Urlaub machen will, dann sollte man sich an den beliebten Orten orientieren. Fotografisch: nicht zur Mittagszeit unterwegs sein und sich Zeit lassen. Während der Reise habe ich mich manchmal etwas gehetzt gefühlt, weshalb ich einige Fotos in den Sand gesetzt habe. Das Ganze geht Hand in Hand mit der Hotelreservierung, da einige Hotels begrenzte Check-In Zeiten haben. Vielleicht ist es hierbei eine bessere Idee statt mehrere Unterkünfte in mehrere Städten zu reservieren, eine Unterkunft die relativ zentral von den eigenen Zielen liegt zu wählen und von dort aus reist. Somit umgeht man das Problem des Zeitdrucks.

Zum Abschluss noch ein Foto von mir und der Hostelkatze aus Siena:

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