Azoren: Europas grünes Paradies im Atlantik

Urlaub im europäischen Hawaii sollte es dieses Jahr für uns heißen. Es ist seit geraumer Zeit mal wieder ein längerer Urlaub. Eigentlich hatten wir noch ein Road Trip durch Kalifornien auf unserer Agenda, wo uns ja Corona ein Strich durch die Rechnung machte. Das Thema Corona ist zum Glück kein Hindernis für Reisen mehr. Anders jedoch die politische Situation in den U.S.A. The annoying Orange und seine Gefährten sorgen dafür, dass das Land für uns absolut unattraktiv geworden ist und wir erstmal nicht mehr planen, dort einzureisen. Demnach kam Schnetti auf die Idee, die Azoren zu bereisen und diesen Punkt von der Bucketlist zu streichen. Die Azoren, eine Inselgruppe mitten im Atlantik, welche auch als das europäische Hawaii tituliert wird.

Uns war klar, wenn wir diesen Urlaub machen, dann muss es ein längerer Urlaub sein, denn wir wollen die Möglichkeit haben, möglichst viel zu erkunden. In diesem Fall bedeutet es aber auch, mehrere Inseln abzuarbeiten.

Lissabon, 27. – 28.8.

Unsere Reise begann mit einem Zwischenstopp, über Nacht, im wunderschönen Lissabon. Da wir bereits in der Vergangenheit mehrere Tage dort verbrachten, hatten wir es dieses Mal nicht eilig, die Stadt zu erkunden. Vielmehr nahmen wir uns Zeit, um etwas zu schwofen, etwas zu shoppen, gut zu essen und zu trinken. Das kam mir aber auch etwas entgegen, denn irgendwas hatte ich mir am Wochenende zuvor beim K.I.Z. Konzert (Diggi das war mega!) eingefangen und ich war etwas schwach und schwitzig auf der Brust. Jedenfalls gab es leckeres Abendbrot und am nächsten Morgen dann ein schönes Frühstück, welches dann die Grundlage für die Weiterreise lieferte.

Von Lissabon ging es dann nochmals zwei Stunden mit dem Flieger nach Ponta Delgada, die Hauptstadt der Azoren auf der Insel Sao Miguel.

Sao Miguel, 28.8. – 03.09.

Unsere ursprüngliche Buchung wurde etwas durcheinander gebracht, und somit kamen wir, nicht wie geplant am Morgen sondern am Abend, um zwanzig Uhr, auf Sao Miguel an. An diesem Tag holten wir nur noch unseren Mietwagen, etwas im Supermarkt für den nächsten Morgen und machten uns auf den Weg nach Furnas. Hier sei gleich gesagt, ein Mietwagen ist meiner Meinung nach ein absolutes Muss für die Azoren. Die Inseln bieten so viele Erkundungsmöglichkeiten, welche man mit dem öffentlichen Bus nicht abgearbeitet bekommt. Jedenfalls hatten wir in Furnas, die Stadt in der Schwefel in der Luft liegt, unsere Unterkunft, welche herrlich war. Den Folgetag starteten wir mit einer Fahrt nach Ponta Delgada, denn ich musste kurz noch bei der Forstbehörde vorbeischauen. Da ich seit einiger Zeit der Angelei verfallen bin, habe ich diesen Urlaub natürlich meine Reiserute eingepackt, um auf den Azoren etwas zu angeln. Damit ich das aber auch legal mache, musste ich mir eine Angelerlaubnis besorgen. Und dies geschah eben bei der bereits erwähnten Forstbehörde, wo ich stolze 2,03€ (kein Witz) für 30 Tage bezahlte. Auf dem Weg in die Stadt haben wir bereits Aussichtspunkten angefahren, die auf dem Weg lagen und waren schon das erste Mal begeistert. Nachdem der Punkt “Angelerlaubnis” von der Todo-Liste gestrichen werden konnte, haben wir etwas die kleine Altstadt von Ponta Delgada erkundet, womit wir dann aber auch recht schnell durch waren.

Danach setzten wir uns ins Auto und fuhren zum Lagoa do Congro. Dort angekommen, unternahmen wir unsere erste kleine Wanderung zum See, welcher schon eine spektakuläre, türkisblaue Kulisse bot, eingebettet im saftigen Grün der Bäume, wunderschön!

Auf dem Rückweg zur Unterkunft erledigten wir noch ein paar Besorgungen, damit ich die nächsten Tage nicht zur Diva werde, wenn das Hüngerchen aufkommt. Direkt in unserem Ort gab es einen Burger-Food-Truck, bei dem wir unsere hungrigen Mäuler füllten. Und weil es nicht gerade wenig war, was wir auf dem Teller präsentiert bekamen, war ein kleiner Verdauungsspaziergang vonnöten. Hier bekamen wir dann nochmals einen weiteren Einblick, wie schön Flora und Fauna der Insel eigentlich ist.

Am Folgetag wurde mein Vorschlag angenommen, den Lagoa do Furnas bei einer kleinen Wanderung zu umrunden und ich derweil immer etwas angele (demnach war auch nur das Telefon als Kamera dabei). Das Wetter war an dem Tag, typisch für die Azoren, durchwachsen mit später einsetzenden Regen, gefolgt von Sonne. Das ganze Spektakel dauerte etwas mehr als vier Stunden, und ich kann nur meinen Dank an Schnetti aussprechen, dass sie das mitgemacht hat. Ich habe ein paar Barsche gefangen, war nass und etwas enttäuscht, denn das Gewässer ist für Zander bekannt. Diese blieben aus, so dass ich nach wie vor keinen Zander verbuchen konnte. Ich war dann aber doch OK mit der Situation, denn ich habe nicht geschneidert. Vielmehr ging an diesem Tag auch nicht mehr und wir haben in der Unterkunft uns etwas zum Abendbrot gemacht. Am Ende waren es dann doch ~7.3 km die wir zurückgelegt haben.

Das Wetter für den 31.8. wurde wieder durchwachsen prognostiziert, weswegen wir uns in den Mietwagen setzten und zum anderen Ende der Insel düsten, entlang der Küstenstraße. Der “Lagoa das Sete Cidades”, ein See (oder besser zwei Teilseen, der Lagoa Azul und Lagoa Verde) im Krater des Sete Cidades, sollte uns hierbei als Ziel dienen. Auf dem Weg dorthin hielten wir an einigen Aussichtspunkten und genossen die Aussicht. Am See angekommen, nutzte ich die Gunst der Stunde, um ein paar Würfe mit der Angel zu machen, jedoch dieses Mal ohne Fangerfolg. Auf dem Rückweg machten wir noch Halt in der TukáTulá Beach Bar, um etwas ordentliches zum Abendbrot zu bekommen.

Am nächsten Tag zeigte sich das Wetter von einer deutlich besseren Seite, weswegen wir eine große Wanderung zum Lagoa do Fogo unternehmen. Hier wurden wir dann richtig überrascht, nicht nur von den Steigungen, sondern auch, was wir von der Natur geboten bekommen haben. Neben Hortensien gab es Unmengen an Hedychium/Zieringwer zu sehen. Überall brummte und summte es von Insekten, alles war knackig gefärbt, toll (Schnettis Kopf war teilweise auch knackig rot gefärbt vor Anstrengung :))! Die Socken qualmten nach gut 11 km und wir ließen den Abend dann bei Bier und Wein ausklingen.

Für den letzten vollen Tag auf der Insel hatten wir nicht viel geplant und wollten eine ruhige Kugel schieben. Wir sprangen in unseren Mietwagen und fuhren Richtung Ostküste, in ein Restaurant, an Aussichtspunkten vorbei und zurück zum Lagoa de São Brás. Auch hier versuchte ich mein Glück mit der Reiserute, aber vergebens. Zurück in Furnas war uns nach Pizza und wir kehrten in das Restaurant Queijaria Furnense ein, wo wir wirklich eine der besten Pizzen überhaupt genießen durften!

Terceira 03.09. – 06.09.

Der letzte Vormittag auf Sao Miguel und der erste Vormittag auf Terceira. Für uns ging es mittels Turboprop von Sao Miguel auf die nächste Insel der Azoren, Terceira. Der Flug dauerte etwas mehr als eine halbe Stunde und mit Check-in, Kofferabgabe usw. war dann aber auch schon wieder später Nachmittag, als wir mit dem Mietwagen die Stadt erreichten. Hier machten wir ein paar Meter, genossen Eis und schlenderten etwas durch die Stadt.

Am folgenden 4. September ging es, wie der Reiseführer empfahl, in den Furnas do Enxofre Vulkanpark, was wir mit einer weiteren Wanderung verbunden haben.

Gefolgt von einem sehr wohlverdienten, ausgiebigen Mittagessen ging es dann mittels Mietwagen weiter, um die Insel zu erkunden.

Der Folgetag gestaltete sich vom Wetter her nicht sonderlich rosig, so dass wir mit dem Mietwagen ein paar Stopps an Aussichtspunkten durchführen und gleich zum Kulinarik Teil übergangen sind, gefolgt von etwas chillen in unserer, leider etwas abgewohnten Unterkunft. Es sei anzumerken, dass die Betten mein persönliches Kryptonit bis dahin waren und ich keinen Tag ohne Rückenprobleme aufgestanden bin, geschweige denn eine Nacht durchgeschlafen habe.

Ilha do Faial 06.09. – 10.09.

Ein weiterer Inselwechsel stand an, dieses Mal jedoch mit einer sportlichen Fährfahrt von sechs Stunden, bei welcher wir die Zeit an Deck nutzten, um aufs Meer zu gucken oder Inseln wie San Jorge zu bestaunen.

Hier wurde ich dann auch gleich etwas wehmütig und dankbar, denn gleich mehrere Menschen auf dem Boot ereilte die Seekrankheit und ich war verdammt froh, dass Schnetti und ich von soetwas verschont bleiben. Am späten Abend dann auf Faial angekommen, setzten wir uns in ein Taxi und ließen uns Richtung neuer Unterkunft kutschieren.

Wie eingangs angemerkt, sind die Inseln ohne Mietwagen keine Empfehlung, also galt es für uns dies schleunigst zu ändern und wir unternahmen eine erste Wanderung am Morgen des Folgetages nach Horta, um den Mietwagen abzuholen.

Jedoch kamen wir an der „Paul Sportsbar“ vorbei, einer sehr bekannten Seglerkneipe auf Faial, in der wir einen Stopp machten, um etwas zu trinken.

Nachdem der Mietwagen ausgehändigt wurde, waren wir wieder mobil und fuhren Richtung Osten, um uns zu stärken. Mit vollen Bäuchen ging es dann motorisiert weiter entlang der Insel und mit Stopps an diversen Aussichtspunkten. Den Abend ließen wir in unsere tollen Unterkunft ausklingen, bei Bier und Wein mit Blick auf den Berg „Pico“, welcher der höchste Berg Portugals ist.

Am 8. September ging es dann zur einzigen Caldeira Facials. Der Spot war etwas überlaufen, das Wetter wollte auch nicht so richtig, so dass wir keine komplette Wanderung entlang des Kraters unternehmen. Nach ein paar Bilder vom Krater und über die Insel ging es dann zum Vulcão dos Capelinhos, der durch einen Ausbruch 1957 eine Vulkanhalbinsel entstehen ließ. Hier krachselten wir dann einen Aussichtspunkt auf einem Berg hinauf, welcher uns einen schönen Ausblick auf die Halbinsel ermöglichte.

Auf dem Rückweg unternahm ich noch ein paar Würfe mit der Angel von der Küste, blieb jedoch wieder ohne Fangerfolg, wobei ich auch nicht viel Zeit investierte.

Für den Folgetag war wieder etwas Bewegung geplant, und wir unternahmen eine Wanderung zum ehemaligen Leuchtturm Farol da Ribeirinha. Zuvor wollte ich jedoch nochmal meinen Misserfolg vom Vortag bezüglich Angelei ausbessern, musste jedoch schnell feststellen, dass an dem geplanten Ort eine ziemliche Welle stand, welche es unmöglich machte, sicher zu angeln. Hier war ich dann etwas angefressen, was die Stimmung generell etwas drückte. Jedenfalls starteten wir unsere Wanderung bei bestem Wetter und mit schöner Aussicht.

Es sei anzumerken, dass bis hierhin keine der Inseln so schön war wie Sao Miguel. Rein optisch war diese schon der knaller in Punkto Natur. Unabhängig davon muss sich Faial nicht verstecken und so war es uns auch hier möglich, die schöne Natur zu genießen und in Bildern einzufangen. Nach der Wanderung konnte ich noch einen weiteren Angelspot anfahren, bei dem es dann endlich mit dem Fisch klappte. Ein Grouper/Zackenbarsch und zwei Echsenfische.

Ich war glücklich und wir machten uns danach auf den Weg etwas zu essen und ließen den Tag wohl genährt ausklingen.

Pico 10.09. – 14.09.

Ein letztes Mal hieß es Koffer packen und die Insel wechseln. Dieses Mal ging es mit der Fähre von Faial nach Pico, was mit dreißig Minuten Fahrt schnell vonstattenging. Jedoch hatten wir nicht gefrühstückt und wir besuchten vor der Fährfahrt noch einen lokalen Burgerladen, welcher uns von den Socken haute. Fleisch von den lokalen Kühen und alle Zutaten möglichst vom lokalen Bauern. Das war ein Geschmacksfeuerwerk, kann ich euch sagen. Gut gesättigt, ging es dann auf die Fähre nach Pico, wo wir gegen 15 Uhr ankamen.

Auch hier galt es, den Mietwagen abzuholen und die neue Unterkunft zu beziehen. Eine kleine, sehr schön aufgearbeitete Unterkunft, welche in der Vergangenheit wohl, so vermute ich, von den Weinbauern genutzt wurde. Denn wir befanden uns umgeben von Wein, viel Wein und das roch man hier und da auch. Leider war die Nacht alles andere als erholsam. Wir mussten mit erschrecken feststellen, dass ich mein Kissen mit einem ungebetenen Gast teilte, welcher mich sanft wach brummte. La Cucaracha, eine Kakerlake, oder die Mutter aller Kakerlaken, denn die war fett und groß. Hellwach, etwas angewidert, brachte ich sie in ein Handtuch eingewickelt nach draußen und wir versuchten weiter zu schlafen. Wir versuchten es, denn eine weitere Kakerlake sollte sich unserem Bett nähren. Jedes Geräusch hielt uns nun auf trapp und wir haben kein Auge mehr zubekommen. Nochmal sei anzumerken, die Unterkunft war wirklich schön hergerichtet, aber bei solch Ungeziefer war dann für uns klar, wir müssen das Airbnb wechseln, denn das ist kein Problem, welches man von jetzt auf gleich gelöst bekommt. Also buchte Schnetti noch eine weitere Unterkunft via Booking.com, welche uns zum Glück sehr überzeugte. Ich ging am Morgen noch eine Runde joggen, denn das Areal war das erste, welches nicht zwanzig prozentige Steigerungen aufwies und für mich machbar erschien.

Die alte Unterkunft hinter uns gelassen, mit dem AirBnb Support, die Rückzahlung ausgehandelt und auf dem Weg zum neuen Schlafgemach. Diese konnten wir leider erst ab 17 Uhr beziehen, denn unsere Buchung war offensichtlich sehr spontan. Also galt es wieder mal unsere hungrigen Mäuler zu stopfen und etwas Zeit totzuschlagen. Als wir dann in die Unterkunft kamen, war alles neu, keine komischen Geräusche oder Schädlinge zu sehen, was uns sehr glücklich stimmte. Hier verbrachten wir dann auch unseren letzten Tage auf der Insel. Leider ging uns ein ganzer Tag dadurch flöten, aber es war auch nicht sonderlich viel mit uns anfangen, da wir etwas zerknautscht waren.

Ausgeschlafen, noch immer die vergangenen, aktiven Tage in den Knochen, galt es dann, etwas Pico zu erkunden. Mit dem Mietwagen zum Lagoa do Capitão, einem See in dem sich der Pico spiegelt, weiter nach Laijdo, einem kleinen, herrlich hergerichteten Dorf, wo wir einen Kaffee tranken, und weiter bis nach Madalena, der größten Stadt der Insel, wo wir uns ein leckeres Mittagessen gönnten. Auch hier ging es dann, nachdem wir noch ein paar Besorgungen gemacht hatten, Richtung Unterkunft.

Ganz zufällig kamen wir noch an einem Spot vorbei, den ich mir auf der Karte zum Angeln markiert habe. Gut, dass ich der Fahrer war. An diesem Punkt angekommen, wollte ich eigentlich gleich weiter, weil bereits Angler zu sehen waren. Aber Schentti hat die Situation schnell erkannt und gesehen, dass die dortigen Angler zusammenpacken. Also habe ich das letzte Mal meine Reiserute aufgebaut und Petrus war mir gnädig! Zum Abschluss konnte ich noch einen schönen Zackenbarsch und einen Grauen Drückerfisch fangen.

Ich war mehr als zufrieden und dankbar, dass ich den letzten Angeltag auf den Azoren so beenden durfte. In unserer Unterkunft angekommen, genossen wir noch den Ausblick aufs Meer bei ein paar Getränken.

Der letzte volle Tag, und uns fiel auf, wir hatten keinen Tag so richtig entspannt. Wir waren immer irgendwie unterwegs. Dies galt es zu ändern. Da ich mich jedoch etwas bewegen wollte, denn nur rumgammeln kann ich nicht, haben wir als Kompromiss eine kleine Wanderung, beginnend an unserer Unterkunft, unternommen.

Den Rest des Tages haben wir dann aber mit Sonne und Energie tanken auf unserer Terrasse verbracht.

Fazit

Die Azoren sind definitiv eine Reise wert und haben uns in ihrer Schönheit und Vielfalt begeistert. Sao Miguel sticht landschaftlich besonders hervor, doch jede Insel hatte ihren eigenen Reiz. Ein Mietwagens ist unumgänglich, um die vielen Facetten dieser Inselgruppe wirklich entdecken zu können. Auch wenn nicht jeder Angeltrip von Erfolg gekrönt war und die ein oder andere Unterkunft für eine Überraschung sorgte, überwiegen die positiven Eindrücke bei Weitem. Die Natur, die Wanderungen, die lokalen Köstlichkeiten und die Gastfreundschaft haben diesen Urlaub zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht. Das europäische Hawaii hat seinen Titel mehr als verdient und wir nehmen viele schöne Erinnerungen mit nach Hause.

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